Was ist die Azoospermie? Ursachen, Diagnose und Behandlung

durch (embryologin), (embryologin) Und (invitra staff).
Aktualisiert am 16/01/2020

Bei Azoospermie, auch Aspermie genannt, fehlen Spermien im Ejakulat. Je nach Ursache unterscheiden wir zwischen obstruktiver Azoospermie und sekretorischer (nicht-obstruktiver) Azoospermie.

Die Prognose für den Schwangerschaftserfolg ist in jedem Fall unterschiedlich: Im ersten Fall kann das Sperma durch Hodenbiopsie gewonnen und in einer ICSI verwendet werden, im zweiten Fall ist die Spermiengewinnung jedoch schwieriger und es ist u.U. notwendig, Spendersamen für die Behandlung der assistierten Reproduktion zu verwenden.

Azoospermie: Definition und Diagnostik

Um die Fruchtbarkeit des Mannes zu untersuchen, ist der einfachste und aussagekräftigste Test das Spermiogramm. Bei einem Spermiogramm wird eine Samenprobe entnommen und anschließend im Labor untersucht, um u.a. die Konzentration und Motilität der Spermien zu überprüfen.

Sobald das Ergebnis des Spermiogramms vorliegt, wird die Konzentration mit den Referenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Diagnostik abgeglichen:

Azoospermie
keine Spermien im Ejakulat.
Kryptozoospermie
weniger als 100.000 Spermien/ml.
Oligospermie
weniger als 15 Millionen/ml.
Normozoospermie
Normale Spermien.

Azoospermie ist daher der Begriff für fehlende Spermien im Ejakulat. Schätzungsweise sind zwischen 3 und 10% der Fruchtbarkeitsproblemen bei Männern auf Azoospermie zurückzuführen.

Da die Erkrankung Azoospermie asymptom ist, muss für eine Diagnostik ein Spermiogramm erstellt werden.

Die assistierte Reproduktion erfordert, wie jede medizinische Behandlung, dass Sie der Professionalität der Ärzte und der Klinik, die Sie wählen, vertrauen, denn natürlich ist jede von ihnen anders.

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Eine Bestimmung des FSH-Spiegels könnte ebenfalls hilfreich sein. Das FSH-Hormon wird vom Gehirn produziert und ist für die Spermatogenese (Spermienbildung) im Hoden verantwortlich. Hohe FSH-Werte deuten auf geringere oder fehlende Spermienstammzellen hin. Testosteron und Fructose kann ebenfalls für eine genauere Diagnostok analysiert werden.

Ursachen

Fehlende Spermien im Ejakulat können hauptsächlich auf zwei Ursachen zurückgeführt werden:

Sekretorische oder nicht-obstruktive Azoospermie
Die Hoden sind nicht in der Lage, Spermien zu produzieren.
Obstruktive Azoospermie
Spermien werden gebildet, können aber im Ejakulat wegen einer Blockade in den Samenleitern nicht ausgeschieden werden.

Um die Art der Azoospermie zu bestimmen, ist es notwendig, eine Hodenbiopsie durchzuführen. Diese besteht darin, von jedem Hoden ein kleines Stück zu entnehmen damit analysiert werden kann, ob Spermien vorhanden sind. Auf diese Weise kann der Arzt erkennen, ob es sich um eine obstruktive bzw. sekretorische Azoospermie handelt.

Mithilfe einer Hormonanalyse ist es ebenfalls möglich, die Art der Azoospermie bestimmen, denn wenn der Spiegel der an der Spermatogenese beteiligten Hormone abweicht, handelt es sich um eine sekretorische Azoospermie. Aufgrund ihrer geringeren Aussagekraft eignet sie sich im Gegensatz zur Biopsie zur Beurteilung von eventuell vorhandenen Spermien für eine Reproduktionsbehandlung jedoch nicht.

Sekretorische Azoospermie

Die sekretorische Azoospermie ist die schwerste und häufigste Form und macht 70% der Fälle von Azoospermie aus. Sie kann kongenital (von Geburt an) oder erworben (durch Krankheit oder Schadstoffe) sein. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Anomalien beim Hodenabstieg.
  • Einfluss von schädlichen Substanzen: Medikamente, Strahlentherapie und Chemotherapie.
  • Genetik: Defekte in den Genen, die mit der Spermatogenese zusammenhängen, wie Mutationen oder Deletionen im Azoospermiefaktor (AZF), die sich auf dem Y-Chromosom befinden.
  • Hormonstörungen, wie z.B. hypogonadotroper Hypogonadismus (Mangel an Hormonen, die von der Hypophyse freigesetzt werden und für die Stimulation der Spermienproduktion im Hoden verantwortlich sind).
  • Probleme im Hoden: Mumps, Traumata, Entzündungen und schwere Varikozele.

Die Spermiengewinnung bei sekretorischer Azoospermie ist kompliziert, da die Spermatogenese stark betroffen ist. Trotzdem ist es möglich, schwanger zu werden.

Bei einigen Patienten mit dieser Pathologie wurden kleine Reste der Spermatogenese im Hoden gefunden. Daher werden mehrere kleine Hodenbiopsien durchgeführt, um Spermien zu finden. Wenn Spermien gefunden worden sind, wird die Probe eingefroren und dann für die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) verwendet.

Je nach Ursache der Azoospermie ist es in einigen Fällen auch möglich, die Spermatogenese durch Hormonbehandlungen wiederherzustellen und so eine Schwangerschaft zu erreichen.

Es kann sein, dass trotzdem keine Spermien über die oben beschriebenen Methoden gewonnen werden. In solchen Fällen muss auf Spendersammen zurückgegriffen werden.

Obstruktive Azoospermie

Die obstruktive Azoospermie ist auf ein Problem in den Hodenkanälchen zurückzuführen, welche die Spermien vom Hoden zur Harnröhre transportieren, wo das Ejakulat produziert wird. Die häufigsten Ursachen für diese Störung sind:

  • Fehlende Vas deferens (Samenleiter) (entweder angeboren oder aufgrund einer Operation).
  • Entzündung oder Traumata des Hodens, Nebenhodens, Samenleiters oder der Prostata.

Bei obstruktiver Azoospermie ist es einfacher, Spermien zu gewinnen. In bestimmten Fällen kann diese Azoospermie umkehrbar sein, d.h. mit verschiedenen mikrochirurgischen Techniken kann die Blockade gelöst oder die einzelnen Kanälchen verbunden werden, sodass auf natürliche Art und Weise Spermien im Samen gebildet werden.

Ist dies nicht möglich, werden die Spermien durch Hodenbiopsie aus den Hoden gewonnen und in einer Reproduktionsbehandlung (ICSI) eingesetzt. In der Regel reicht eine einzige Biopsie aus, da eine normale Spermatogenese stattfindet.

Azoospermie und Varikozele

Recht häufig taucht Azoospermie in Zusammenhang mit Varikozele auf: In 5% der Fälle von Varikozele liegt eine Azoospermie vor. Dazu muss die Varikozele jedoch sehr stark ausgeprägt sein.

Mit Varikozele ist eine Erweiterung der Venen gemeint, die den Samenstrang bilden und sich direkt auf die Spermatogenese auswirken.

Bei Patienten mit sekretorischer Azoosperme, die ihre Varikozele operativ korrigiert haben, (Varikozelektomie), wurden 50% des Hodengewebes und die Spermienmobilität in 55% der Fälle wiederhergestellt.

Azoospermie durch Vasektomie

Die Vasektomie ist eine Methode der Sterilisation bei Männern, die fehlende Spermien im Ejakulat zur Folge hat. Ziel ist es, durch das Durchtrennen der Samenleiter freiwillig eine obstruktive Azoospermie zu verursachen und so den Übergang von Spermien vom Hoden zur Harnröhre zu verhindern.

Da die Samenleiter blockiert werden, lagern sich die Spermien im Nebenhoden ab und werden schließlich vom Körper selbst wieder absorbiert.

Die Vasektomie hat keinen Einfluss auf die Spermienproduktion. Jedoch kann der Körper durchaus im Laufe der Zeit die Spermienproduktion verringern oder es kann zu leichten Störungen derselbigen kommen.

Fragen die Nutzer stellten

Ist Azoospermie dasselbe wie Aspermie?

durch Rebeca Reus (embryologin).

Nein. bei der Azoospermie fehlen Spermien im Ejakulat, der Mann hat jedoch keine Schwierigkeiten beim Ejakulieren. Im Falle einer Aspermie kommt es zu keiner Ejakulation und bezieht sich nicht auf Spermien.

Was sind die Symptome einer Azoospermie?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Die Azoospermie verursacht keine auffälligen Symptome im Alltag wie Schmerzen, Beschwerden, Schwellungen, etc. Daher basiert die sichere Diagnostik nicht auf den Symptomen, sondern nur auf dem Ergebnis des Seminogramms.
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Welche Art von Azoospermie ist in Bezug auf die Unfruchtbarkeit schlimmer?

durch Andrea Rodrigo (embryologin).

Die sekretorische Azoospermie ist ernster. Sie verhindert die Produktion von Sperma und deshalb ist es nicht möglich, biologische Kinder zu bekommen auch wenn assistierte Reproduktionstechniken angewendet werden. Wie wir bereits erwähnt haben, ist die einzige Möglichkeit bei dieser Art von Azoospermie Vater zu werden, die Samenspende.

Kann man bei Azoospermien durch künstliche Befruchtung Kinder bekommen?

durch Rebeca Reus (embryologin).

Nein. Um Kinder mit künstlicher Befruchtung zu bekommen, ist eine gute Spermienkonzentration notwendig und Patienten mit Azoospermie weisen kein Sperma im Ejakulat auf.

Kann man mit sekretorischer Azoospermie auf natürliche Weise schwanger werden?

durch Rebeca Reus (embryologin).

Jede Form der Azoospermie, sekretorisch und obstruktiv, verhindert eine natürliche Schwangerschaft, da das Ejakulat keine Spermien enthält. Was die sekretorische Azoospermie betrifft, so wird es auch nicht möglich sein, eine Schwangerschaft durch assistierte Reproduktion zu erreichen, da es keine Spermienproduktion gibt.

Je nach Ursache der Azoospermie ist es möglich, eine Hormonbehandlung durchzuführen, die in der Lage ist, die Spermatogenese wiederherzustellen, um eine Schwangerschaft mit sekretorischer Azoospermie zu erreichen, und das auch bei In-vitro-Fertilisation (IVF). Wenn es nicht möglich ist, die Produktion von Spermien wiederherzustellen, kann man mit einer Samenspende schwanger werden.

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Wenn Sie im Detail wissen wollen, welche anderen Spermienerkrankungen es gibt, lesen Sie hier weiter: Männliche Sterilität durch Spermienfaktor: Ursachen und Behandlung.

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Literaturverzeichnis

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Fragen die Nutzer stellten: 'Ist Azoospermie dasselbe wie Aspermie?', 'Was sind die Symptome einer Azoospermie?', 'Welche Art von Azoospermie ist in Bezug auf die Unfruchtbarkeit schlimmer?', 'Kann man bei Azoospermien durch künstliche Befruchtung Kinder bekommen?' Und 'Kann man mit sekretorischer Azoospermie auf natürliche Weise schwanger werden?'.

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Autoren und Mitwirkende

 Andrea Rodrigo
Andrea Rodrigo
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie an der Polytechnischen Universität Valencia (UPV) mit Master-Abschluss in Biotechnologie der assistierten Humanreproduktion, unterrichtet von der Universität Valencia in Zusammenarbeit mit dem Valencianischen Institut für Unfruchtbarkeit (IVI). Postgraduierte Expertin für medizinische Genetik. Mehr über Andrea Rodrigo
 Rebeca Reus
Rebeca Reus
Embryologin
Abschluss in Humanbiologie (Biomedizin) an der Universitat Pompeu Fabra (UPF), mit Masterabschluss im Labor für klinische Analysen und Masterabschluss in Theoretische Grundlagen und Laborverfahren der assistierten Reproduktion an der Universität Valencia (UV). Mehr über Rebeca Reus
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
inviTRA Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die deutsche Ausgabe von inviTRA. Mehr über Romina Packan

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