Hodenerkrankungen bei Männern: Wie sie die Fruchtbarkeit beeinflussen

durch (embryologin) Und (invitra staff).
Aktualisiert am 21/06/2019

Männliche Unfruchtbarkeit liegt vor, wenn das männliche Sperma nicht in der Lage ist, eine Eizelle zu befruchten und zu einer Schwangerschaft zu führen. Es gibt mehrere Faktoren, die zur männlichen Unfruchtbarkeit führen, darunter Erkrankungen der Hoden.

Sterilität aufgrund testikulärer Faktoren sind Faktoren, die den Hoden direkt beeinflussen und eine natürliche Schwangerschaft verhindern können. Sterilität aufgrund hodenbedingter Ursachen kann angeboren sein, wenn sie von Geburt an vorhanden ist, oder später durch äußere Einflüsse enstehen.

Genetische Veränderungen

Die Bildung von Spermien, auch Spermatogenese genannt, ist ein komplexer Prozess, der in den männlichen Hoden stattfindet. Daher führt jede Veränderung dieser Ursachen dazu, dass die Spermienproduktion nicht richtig funktioniert und die Spermien mit Veränderungen in ihrer Konzentration, Mobilität, Morphologie oder anderen Defekten gewonnen werden.

Wenn die Ursache für diese Störungen im Hoden angeboren ist, liegt es meist an chromosomalen Veränderungen oder genetischen Mutationen. Genetische Krankheiten, einschließlich Unfruchtbarkeit, werden oft durch Familien weitergegeben.

Es gibt aber auch Fälle von erworbener genetischer Sterilität aufgrund von Problemen zum Zeitpunkt der Befruchtung, schlechter Verteilung der Chromosomen oder fehlerhafter Neuordnung ihrer Struktur. Die Folge davon ist die Bildung eines lebensfähigen Embryos, bei dem es jedoch zu mehr oder weniger schweren Krankheiten kommt.

Als nächstes konzentrieren wir uns auf genetische Veränderungen im Zusammenhang mit der männlichen Sterilität:

Mikrodelektion des Y-Chromosoms

Das Y-Chromosom kommt nur bei Männern vor und ist kleiner als andere Chromosomen. Wenn ein Embryo das Y-Chromosom vom Vater erhält, anstelle des X-Chromosoms, ist das Geschlecht festgelegt und ein zukünftiger Mann wird geboren.

Das Y-Chromosom enthält daher die Gene, die für die Bildung der Hoden in der Chromosomenregion AZF verantwortlich sind. Wenn es eine Störung in diesem Bereich gibt oder einige wichtige Gene fehlen, leidet der Betroffene an einem schweren männlichen Faktor, der von Oligozoospermie bis hin zur totalen sekretorischen Azoospermie reichen kann.

Darüber hinaus ist bei der Geburt eines Kindes durch assistierte Reproduktion zu berücksichtigen, dass auch der Sohn diese Veränderung erben und in Zukunft unter männlicher Sterilität leiden würde.

Klinefelter-Syndrom

Diese Krankheit ist auf einen Fehler in der Anzahl der Geschlechtschromosomen zurückzuführen: Anstatt mit einem XX- oder XY-Paar geboren zu werden, hat das Baby 3 XXY-Geschlechtschromosome.

Das Ergebnis dieser chromosomalen Veränderung während der Befruchtung ist die Geburt eines Sohnes bei dem ein Defizit in der Testosteronproduktion vorliegt. Abgesehen von der Sterilität durch Azoospermie werden als Folge dieser Erkrankung beim Kind in der Pubertät bei der Entwicklung seines Fortpflanzungssystems und der sekundären Geschlechtsmerkmale Probleme auftreten.

Dieses Syndrom wird mit Testosteron behandelt, um die Muskeln und andere männliche Eigenschaften zu entwickeln. Testosteron hilft jedoch nicht, die Fruchtbarkeit wiederherzustellen.

Noonan-Syndrom

Diese genetische Störung besteht aus einer Mutation des Chromosoms 12, das in der Regel von der Mutter vererbt wird. Sie wird oft von der Mutter vererbt, kann sich aber auch in Embryonen entwickeln, die aus Gameten von gesunden Eltern stammen.

Kinder, die mit diesem Syndrom geboren wurden, leiden an einer abnormalen Entwicklung in vielen Teilen des Körpers wie Gesicht und Skelett und können Herzerkrankungen haben, wenn sie die Pubertät erreichen.

In Bezug auf die Fruchtbarkeit können Kinder mit Noonan-Syndrom mit Penisfehlern oder Kryptorchismus geboren werden, d.h. die Hoden steigen nicht ab.

Hodenerkrankungen

Es gibt noch andere Störungen im Hoden, die nicht mit genetischen Veränderungen zusammenhängen. Tatsächlich werden einige dieser Hodenerkrankungen bei der Geburt diagnostiziert oder können später im Erwachsenenalter auftreten.

Die häufigsten Hodenerkrankungen, die Sterilität verursachen, sind folgende:

Kryptorchismus

Ein angeborener Defekt liegt vor, wenn ein oder beide Hoden über den Leistenkanal bis zum Hodensack unvollständig absteigen.

Kinder, die mit dieser Erkrankung geboren wurden, sollten sich einer Operation zur Hodenabsenkung unterziehen, wenn dies nicht von selbst vor dem 2. Lebensjahr geschieht. Wird der chirurgische Eingriff nicht in jungen Jahren durchgeführt, hat der Betroffene aufgrund der hohen Temperatur der Hoden Probleme, Spermien zu bilden.

Kryptorchismus kann auch im Erwachsenenalter als Folge von Mumps auftreten und Sterilität veursachen.

Wenn Sie mehr über Kryptorchismus wissen wollen, empfehlen wir Ihnen folgenden Artikel: Was ist Kryptorchismus?

Varikozele

Eine Varikozele tritt auf, wenn sich die Venen des Samenstrangs, die die Hoden entleeren, durch eine Veränderung der Durchblutung erweitern.

Die Varikozele, auch Krampfaderbruch genannt, kann unter Umständen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen- je nachdem, ob sie bei einem oder beiden Hoden auftritt. Bei einseitiger Hodenerkrankung haben 87% der Männer eine Varikozele im rechten Hoden, während nur in 3% der Fälle die Erkankung im linken Hoden auftritt. Bei den restlichen 10% besteht eine zweiseitige Varikozele weshalb die Sterilität stärker ausgeprägt ist.

Männer mit Varikozelen können die Fruchtbarkeit nach der Operation nachhaltig wiedererlangen.

Wenn Sie mehr über diese Erkrankung wissen möchten, empfehlen wir Ihnen, in diesem Artikel weiterzulesen: Varikozele oder Krampfaderbruch: Ursache und Behandlung.

Orchitis

Hoden-Orchitis ist eine Entzündung eines oder beider Hoden aufgrund von Infektionen oder Traumata. Die einseitige Orchitis kommt dabei am häufigsten vor.

Die Entzündung und der Temperaturanstieg bei der Orchitis sind die Ursache für eine fehlerhafte Spermatogenese und männliche Sterilität, insbesondere wenn sie auf beiden Seiten vorhanden ist.

Orchitis bakteriellen Ursprungs kann mit Antibiotika behandelt werden - in diesem Fall kann die Unfruchtbarkeit auf einfache Weise rückgängig gemacht werden. Das Mumps-Virus kann jedoch eine ernsthaftere Sterilität verursachen.

Im schlimmsten Fall verkümmern die Hoden und es wird kein Sperma produziert, weshalb die Größe der Hoden kleiner als normal ist.

Hydrozele

Hydrozele, auch Wasserbruch genannt, ist die übermäßige Ansammlung von Flüssigkeit im Samenstrang zwischen den beiden Hodenschichten und der Innenseite des Hodensacks.

Die Hydrozele kann angeboren oder als Folge von Traumata, Infektionen oder Krebs erworben sein. Sie kann auch einseitig oder zweiseitig auftreten und von einem Leistenbruch begleitet sein.

In allen Fällen kann die Hydrozele von selbst verschwinden oder bei Unannehmlichkeiten eingegriffen werden. Sie ist keine direkte Unfruchtbarkeitsursache, kann aber als Symptom bei anderen Faktoren erscheinen, die die Unfruchtbarkeit beeinflussen.

Hodenhypoplasie

Dabei handelt es sich um eine angeborene Erkrankungen, da sie während der embryonalen Entwicklung erscheint. Die Hoden bilden sich nicht richtig und sind kleiner als normale Hoden.

Die Hodenhypoplasie ist auch bekannt als Kleinhodigkeit und wird in der Regel in der Pubertät diagnostiziert, wenn das entsprechende Hodenwachstum nicht zu erkennen ist.

Sonstige äußere Faktoren

Abgesehen von den genannten Fällen gibt es noch andere Situationen, die zu einem Risiko einer vorübergehenden oder dauerhaften Sterilität führen können. Diese werden im Folgenden erläutert:

Toxische Stoffe
umweltschadstoffe wie Drogen, Alkohol oder Tabak können die Funktion der an der Spermatogenese im Hoden beteiligten Zellen beeinflussen.
Medikamente und Behandlungen
Medikamente, die zur Krebs-oder Strahlentherapie eingesetzt werden, können irreparable Schäden am Hoden verursachen und zu Unfruchtbarkeit führen, ebenso wie andere starke Medikamente gegen schwere Erkrankungen.
Laptop
eine unsachgemäße Nutzung kann zu einer Hyperthermie im Hodensack führen, wenn der Laptop am Schoss des Mannes gestellt wird. Eine erhöhte Hodentemperatur kann die Spermienproduktion erschweren, da die Spermienproduktion bei einer Temperatur zwischen 2 und 4 °C unter der Kernkörpertemperatur stattfindet.
Handy
einige Studien bestätigen, dass die Vibrationen der vom Mobiltelefon ausgehenden elektromagnetischen Strahlung die Qualität des Samens beeinflussen, wenn das Handy in der Hosentasche aufbewahrt wird.
Fahrrad
Eine an Radfahrern durchgeführte Studie kommt zum Schluss, dass sowohl die enge Kleidung als auch das das Aufschlagen der Genitalien auf den Sattel eine hodenbedingte Sterilität verursachen.

Fragen die Nutzer stellten

Ist die Fruchtbarkeit bei Männern mit nur einem Hoden beeinträchtigt?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Die Tatsache, nur einen Hoden zu haben, entweder von Geburt an oder aufgrund einer späteren Krankheit wie Krebs, bedeutet nicht, dass es ein Fruchtbarkeitsproblem gibt. Wenn der verbleibende Hoden einwandfrei funktioniert und die Spermatogenese nicht beeinträchtigt wird, kann der Mann problemlos eine natürliche Schwangerschaft auslösen.

Kann eine Hodentorsion Unfruchtbarkeit verursachen?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Hodentorsion bezieht sich auf die Verdrehung des Samenstrangs, der den Hoden durch einen Schlag oder schlechtes Bewegen, wie z.B. Radfahren, hält. Dies führt zu Entzündungen und Unterbrechungen der Blutversorgung des Hodens. Es kann daher zu schwerwiegenden Problemen führen, wenn sie nicht sofort behoben werden, einschließlich des Verlustes des Hodens.

Es ist zu beachten, dass die Spermatogenese im Hoden nach 4 oder 6 Stunden ohne Blutfluss unterbrochen wird.

Für Sie empfohlen

Abgesehen von den in diesem Beitrag behandelten Krankheiten gibt es noch andere Krankheiten, die die männliche Unfruchtbarkeit durch einen prä- oder postestikulären Faktor verursachen. Mehr darüber erfahren Sie im folgenden Artikel: Krankheiten, die männliche Sterilität verursachen.

Um herauszufinden, ob es ein Problem mit der männlichen Unfruchtbarkeit gibt, sind Hormontests und medizinische Tests erforderlich. Mehr dazu lesen Sie im folgenden Link: Diagnose zur männlichen Infertilität.

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Literaturverzeichnis

Autoren und Mitwirkende

 Zaira Salvador
Zaira Salvador
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie an der Polytechnischen Universität Valencia (UPV) und Spezialistin für assistierte Reproduktion mit Masterabschluss in Human Reproduction Biotechnology am Instituto Valenciano de Infertilidad (IVI) und der Universität Valencia. Mehr über Zaira Salvador
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
inviTRA Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die deutsche Ausgabe von inviTRA. Mehr über Romina Packan

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