Kinderwunsch bei lesbischen Paaren mit IVF oder IUI

durch (gynäkologe), (gynäkologin), (embryologin) Und (invitra staff).
Aktualisiert am 21/12/2020

In den letzten Jahren haben wir eine Zunahme von Familien beobachtet, die sich vom traditionellen Familienbild Vater-Mutter-Kind lösen. Single-Frauen und lesbische Paare sind einige Beispiele für diese neuen Familienmodelle.

Lesbische Paare können mithilfe klassischer Reproduktionsbehandungen ein Kind bekommen: Intrauterine Inseminationsbehandlungen (IUI) und in-vitro-Fertilisation (IVF). In beiden Fällen muss auf eine Samenspende zurückgegriffen werden.

Darüberhinaus gibt es eine Methode, die nur für gleichgeschlechtliche Paare verfügbar ist: die ROPA-Methode. Diese Englische Abkürzung steht für „Reception of Oocytes from Partner“ und bedeutet übersetzt soviel wie „Erhalt der Eizellen der Partnerin“.

Vereinfacht ausgedrückt werden einfach die Eizellen einer Partnerin entnommen und die andere Partnerin übertragen die somit die Schwangerschaft austrägt.

Ein Kind durch Samenspende bekommen

Die Anzahl an Kinderwunschbehandlungen nimmt in Deutschland stetig zu; darunter greifen immer mehr lesbische Paare zu assistierten Reproduktionsmethoden um Eltern zu werden.

Jedoch sollte beachtet werden, dass aufgrund der unklaren Gesetzeslage in Deutschland viele Kinderwunschzentren keine Behandlungen an lesbischen Paaren durchführen. Deshalb wenden sich zahlreiche lesbische Pärchen mit Kinderwunsch an ausländische Kinderwunschzentren. In Spanien beispielsweise erlaubt das Gesetz zur assistierten Reproduktion die Behandlung von homosexuellen Frauen mit Kinderwunsch.

Da der männliche Part fehlt, müssen diese Patientinnen auf einen Samenspender zurückgreifen, der die männliche Keimzelle (das Spermium) zur Verfügung stellt. Die Samenspende kann im Rahmen einer IVF oder IUI genutzt werden.

Die Samenspende ist in Deutschland ist mittlerweile nicht mehr anonym. Das Kind hat später ab dem 16. Lebensjahr das Recht darauf, die Daten seines biologischen Erzeugers einzusehen.

Im folgenden Abschnitt zählen wir alle möglichen Kinderwunschbehandlungen für Frauen in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung auf: die donogene Insemination, die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die ROPA-Methode.

Heterologe Insemination

Eine der Frauen unterzieht sich der heterologen Insemination, auch donologe Insemination genannt, bei der der Samen eines Spenders verwendet wird. Der Samenspender wird auf Grundlage seiner körperlichen Eigenschaften von der Klinik ausgewählt.

Die Insemination erfordert zunächst eine sanfte Stimulationsbehandlung, damit 1 oder 2 Eizellen heranreifen können, die während des Eisprungs in die Eileiter ausgestoßen werden. Während der Stimulationsbehandlung muss die Patientin zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen erscheinen, damit das Wachstum der Follikel beobachtet werden kann.

Sobald die sich die Follikel entwickelt haben, wird der Eisprung eingeleitet und der Spezialist führt die zuvor aufbereitete Samenprobe in die Gebärmutter der Frau ein, so dass eine Befruchtung stattfinden kann.

Die donogene Insemination ist eine einfache Behandlung die keine Anästhesie erfordert, weshalb sie direkt in der Praxis durchgeführt werden kann. Außerdem kann die Patientin im Anschluss nach Hause und ihren Alltag bis zum Schwangerschaftstest nachgehen.

Für weitere Einzelheiten zur donogenen Insemination besuchen Sie folgenden Artikel: Ablauf einer Insemination mit Samenspende.

Wenn Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin Mutter werden möchten, empfehlen wir Ihnen dieses Tool mit dem Sie in Echtzeit eine Auswahl von Kliniken Ihrer Nähe bekommen. Die Kliniken erfüllen alle unserer strengen Qualitätskriterien weshalb wir sie Ihnen guten Gewissens weiterempfehlen. Außerdem enthält der Bericht nützliche Tipps für Ihren ersten Klinikbesuch.

In-vitro-Fertilisation

Manchmal kann es vorkommen, dass die Frau, die die Schwangerschaft austragen möchte, an Fruchtbarkeitsprobleme leidet und die Insemination somit nicht funktioniert. Die zweite Möglichkeit, die sich in solcher Situation bietet, ist die IVF.

Hier wird die zu behandelnde Frau einer Follikelstimulation unterzogen, damit mehrere Follikel gleichzeitig heranreifen. Diese werden durch eine Follikelpunktion gewonnen und im Labor mit dem Samen des Spenders befruchtet. Der oder die gewonnenen Embryonen werden je nach Qualitätsmerkmale in die Gebärmutter der Frau übertragen.

Mehr zum Thema IVF mit Samenspende lesen Sie hier: Wie funktioniert eine IVF mit Samenspende?

Obwohl sich nur eine der beiden Frauen in Behandlung befindet, unterschreiben sowohl bei der IUI als auch bei der IVF beide eine Einwilligung, damit beide zu rechtlichen Müttern des Babys werden. Außerdem schließen sie somit mögliche Unterhaltsanforderungen gegenüber der Klinik oder dem Spender aus.

ROPA-Methode für lesbische Paare

Die ROPA-Methode ist ein IVF-Verfahren, das ausschließlich lesbischen Paaren mit Kinderwunsch angeboten wird. Mit dieser Methode können beide an der Schwangerschaft teilhaben; eine Partnerin stellt ihre Eizellen zur Verfügung und die andere trägt das Kind aus.

Es gibt genauer gesagt zwei Behandlungsabschnitte und in jeder nimmt eine der beiden daran teil:

  • Partnerin die genetische Ausstattung zur Verfügung stellt: Sie unterzieht sich einer Follikelstimulation in der IVF und lässt sich mithilfe einer Follikelpunktion die Eizellen entnehmen.
  • Partnerin, die die Schwangerschaft durchführt: Sie erhält die im Labor befruchteten Embryonen mit dem Sperma eines Spenders und gebärt das Kind.

Beide Frauen erhalten Hormonpräparate: die erste bekommt Medikamente zur Stimulationsbehandlng und die zweite bekommt Medikamente zur Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut.

Die Wahl, welche Frau ihre Eizellen spendet und welche schwanger wird, hängt von der eigenen Entscheidung des Paares und der ärztlichen Empfehlung ab.

Laut Dr. Oscar Oviedo stellt die jüngere Frau ihre Eizellen zur Verfügung, da sie in der Regel über eine bessere Eizellreserve- und qualität verfügt.

Rechtliche Situation für lesbische Paare

In Deutschland ist eine Behandlung mit Samenspende für lesbische Frauen nicht ausdrücklich verboten.

Jedoch halten sich viele Kinderwunschkliniken an die Richtlinien zur assistierten Reproduktion der Bundesärztekammer. Diese rät demnach den Kinderwunschzentren davon ab, lesbische Frauen bei Kinderwunsch zu behandeln.

Das liegt daran, dass im Streitfall der Samenspender oder sogar der behandelnde Arzt zu Unterhaltszahlungen verpflichtet werden könnten. Laut Gesetz gilt nämlich derjenige als biologische Vater, der eine Schwangerschaft erzeugt hat, was auch beim Vorgang der Inseminationsbehandlung der Fall wäre.

In Bezug auf die ROPA-Methode müssen lesbische Pärchen ins Ausland reisen, da es sich um eine Form der Eizellspende handelt, die laut Embryonenschutzgesetz in Deutschland verboten ist.

Fragen die Nutzer stellten

Wie funktioniert die ROPA-Methode?

durch Dra. Rebeca Jiménez Alfaro (gynäkologin).

Die ROPA-Methode ist ein IVF-ICSI-Verfahren für Paare von verheirateten Frauen (Ehe Voraussetzung!) mit einem reproduktiven Wunsch, der es beiden ermöglicht, am Schwangerschaftsprozess teilzunehmen, wobei die eine die Eier spendet und die andere die Schwangerschaft des Babys übernimmt.

Konkret gibt es zwei Teile der Behandlung und an jedem von ihnen nimmt eine Frau teil:

Partnerin, die die genetische Ausstattung zur Verfügung stellt
wird einer Follikelstimulation der IVF unterzogen und die Eizellen werden durch Follikelpunktion extrahiert.
Partnerin, die die Schwangerschaft durchführt
erhält im Labor mit Sperma von einem Spender befruchtete Embryonen und trägt das Kind aus.

Beide Frauen erhalten hormonelle Medikamente: die erstgenannte zur Stimulation der Eierstöcke und die zukünftige Schwangere zur Vorbereitung auf die Gebärmutterschleimhaut.

Welche Möglichkeiten haben Frauenpaare um schwanger zu werden?

durch Dr. Miguel Angel Checa Vizcaino (gynäkologe).

Frauenpaare sollten Techniken der assistierten Reproduktion mit Spendersamen anwenden, um schwanger zu werden. Sobald der Samenspender ausgewählt ist, kann eine Schwangerschaft durch In-vitro-Fertilisation (IVF), Intrauterine Insemination (IUI) oder durch die ROPA-Methode erreicht werden.
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Wenn wir uns entscheiden, dass wir beide eine künstliche Befruchtung bekommen, können wir dann Sperma vom gleichen Spender verwenden?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Nein, jeder muss Sperma von einem anderen Spender verwenden. Die Samenspende ist anonym und wird vom Kinderwunschzentrum selbst aufgrund der immunologischen und physikalischen Eigenschaften der Patientin vergeben, so dass nicht für beide Frauen derselbe Spender verwendet werden kann.

Was kostet lesbischen Frauen mit Kinderwunsch eine Behandlung?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Das hängt sowohl von der Behandlung als auch vom Kinderwunschzentrum ab. Die künstliche Befruchtung kostet je nach Klinik zwischen 900 und 1.700€, eine IVF mit Spendersamen zwischen 3.200 und 5.000€. Es sollte jedoch beachtet werden, dass nicht jede Klinik lesbische Pärchen mit Spendersamen behandelt.

Die ROPA-Methode hingegen wird in Deutschland generell nicht durchgeführt, da es sich um eine Form der Eizellenspende handelt, die nach Embryonenschutzgesetz verboten ist. Frauen, die sich für diese Behandlung interessieren, müssen ins daher Ausland reisen, die Kosten belaufen sich in Spanien zum Beispiel auf zwischen 3.500 und 6000€.

Wenn Sie wissen möchten, welche Ausgaben ungefähr auf Sie zukommen könnten, empfehlen wir unser Formular auszufüllen: Kinderwunschbericht.

Für Sie empfohlen

Sie können sich auch über die Preise aller Techniken der assistierten Reproduktion informieren, die wir in diesem Artikel diskutiert haben: Was kostet eine Behandlung in der assistierten Reproduktion?

Wenn Sie mehr zur ROPA-Methode wissen möchten, lesen Sie hier weiter: Was ist die ROPA-Methode und welche Anforderungen muss ich erfüllen?

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Fragen die Nutzer stellten: 'Wie funktioniert die ROPA-Methode?', 'Welche Möglichkeiten haben Frauenpaare um schwanger zu werden?', 'Wenn wir uns entscheiden, dass wir beide eine künstliche Befruchtung bekommen, können wir dann Sperma vom gleichen Spender verwenden?' Und 'Was kostet lesbischen Frauen mit Kinderwunsch eine Behandlung?'.

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Autoren und Mitwirkende

Dr. Óscar Oviedo Moreno
Dr. Óscar Oviedo Moreno
Gynäkologe
Abschluss in Medizin und Chirurgie an der Universität von Caldas (Kolumbien) und Facharzt für Innere Medizin an der Pontificia Universidad Javeriana de Bogotá. Hochschulabschluss, der 2003 in Spanien anerkannt wurde. Spezialisierung in Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Complutense Madrid, mit Ausbildung am Hospital Clínico Universitario San Carlos de Madrid. Facharzt für Reproduktionsmedizin und Abschluss in Gynäkologischem Ultraschall (Stufe I, II und III). Mehr über Dr. Óscar Oviedo Moreno
Zulassungsnummer: 282858310
Dra. Rebeca  Jiménez Alfaro
Dra. Rebeca Jiménez Alfaro
Gynäkologin
Abschluss in Medizin an der Universität Murcia mit Schwerpunkt Geburtshilfe und Gynäkologie und Master in Humaner Reproduktion an der Universität Rey Juan Carlos und IVI. Derzeit ist sie Gynäkologin an der Kinderwunschklinik Tahe Fertilidad. Mehr über Dra. Rebeca Jiménez Alfaro
Zulassungsnummer: 303009153
 Zaira Salvador
Zaira Salvador
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie an der Polytechnischen Universität Valencia (UPV) und Spezialistin für assistierte Reproduktion mit Masterabschluss in Human Reproduction Biotechnology am Instituto Valenciano de Infertilidad (IVI) und der Universität Valencia. Mehr über Zaira Salvador
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
inviTRA Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die deutsche Ausgabe von inviTRA. Mehr über Romina Packan

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