Ab wann gilt man in einer IVF als Low Responder? Ursachen und Lösung

durch (gynäkologe), (embryologin), (embryologin) Und (invitra staff).
Aktualisiert am 11/01/2021

Ein schlechtes Ansprechen auf die ovarielle Stimulation ist ein Problem, das bei 7-24% der Patientinnen auftritt, die sich einer In-vitro-Fertilisation unterziehen. Dieser Prozentsatz erhöht sich bei Frauen über 38. Das liegt hauptsächlich an der Alterung der Eierstöcke und der Abnahme der Eizellenreserve.

Es ist jedoch wichtig, das geringe Ansprechen der Eierstöcke auf Hormonpräparate nicht mit einer geringen Ovarienreserve zu verwechseln, da dies unterschiedliche Begriffe sind. Eine Frau zwar kann eine geringe Anzahl von Eizellen haben, aber eine gute Reaktion auf die hormonelle Stimulation aufweisen.

Im Anschluss finden Sie ein Inhaltsverzeichnis mit allen Punkten, die wir in diesem Artikel behandeln.

Was mit Low Responder gemeint?

Bei Low Respondern werden nach einer Punktion in einer IVF nur wenige reife Eizellen entnommen. Es gibt unter Fachleuten jedoch keinen Konsens darüber, wie ein Low Responder definiert wird.

Aus diesem Grund ist es zur Feststellung eines Low Responders notwendig, eine Reihe von Faktoren zu bewerten:

Die Anzahl der Follikel im Eierstock
5 oder weniger Antralfollikel sind im transvaginalen Ultraschall zu sehen.
Anzahl der entnommen Eizellen
es werden 3 bis 5 Eizellen gewonnen, obwohl allgemeinen bei unter 3 Eizellen von Low Respondern gesprochen wird.
Stimulationsprotokoll
die Frau wird als Low-Responder eingestuft, wenn eine geringe Anzahl von Eizellen mit einer FSH-Dosin unter 3.000 IU gewonnen wird.
Östradiol-Konzentration (E2)
weniger als 500 pg/ml nach einem ovariellen Stimulationsprotokoll.

Wie häufig es zu einem schlechten Ansprechen auf die Stimulationsbehandlung kommt variiert; es sind jedoch schätzungsweise 7-24 % der Frauen betroffen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass das geringe Ansprechen der Eierstöcke auf Hormonpräparate durch Faktoren wie Alter, genetische Faktoren, Beckeninfektionen usw. verursacht werden kann.

Low Responder

Eine Frau gilt als Low-Responder, wenn sie nach zwei Stimulationszyklen in jedem dieser Zyklen 3 oder weniger Follikel enthält und der Serum-Östradiolspiegel unter 500 pg/ml am Tag der hCG-Injektion liegt.

Betroffene Patientinnen benötigen kontinuierliche emotionale Unterstützung, da sie eher dazu neigen, den Zyklus abzubrechen und die Stimulationsbehandlung mehrmals zu wiederholen. Darüber hinaus wäre es wichtig, bei jedem IVF-Zyklus bei der Patientin eine personalisierte Stimulationsbehandlung anzuwenden.

Das ovarielle Alter entspricht nicht genau dem biologischen Alter. Es gibt Frauen, die von Geburt an eine geringere Anzahl von Eizellen in ihrer Eierstockreserve haben, und andere, die in jedem Zyklus eine größere Anzahl von Follikeln entwickeln können.

Aus all diesen Gründen müssen Fruchtbarkeits- und Stimulationsbehandlung von Anfang an personalisiert werdem.

Woran erkennt man einen Low Responder?

Erst nach der Stimulationsbehandlung wird sichtbar, ob es sich bei der Patientin um einen Low Responder handelt. Es gibt jedoch Tests, mit denen eine frühe Diagnose gestellt werden kann, um das Protokoll für die Kinderwunschbehandlung festzulegen.

Einige der Faktoren, die eine niedrige ovarielle Reaktion der Patientin vorhersagen können, sind die folgenden:

  • Alter.
  • Im Ultraschall wurden weniger als 5 Präantralfollikel beobachtet.
  • Das Anti-Müller-Hormon liegt unter 1 ng/ml.
  • Basales FSH über 10 mUI/ml.
  • Basales Östradiol über 50 pg/ml.
  • FSH/LH-Verhältnis.
  • Inhibin B: Werte unter 45 pg/ml sind ein frühes Zeichen für die Alterung der Eierstöcke.
  • Sonstige: Clomifen-Test, Ovarialvolumen...
  • Bereits in einem früheren Zyklus Low Responder gewesen.

Hohe FSH-Werte sagen nicht nur ein geringes Ansprechen, sondern auch eine schlechte Eizellenqualität voraus. Dies führt also zu einem Rückgang der Schwangerschaftsrate und zu einem Anstieg der Fehlgeburtenrate.

Ursachen bei Low Responder

Die Gründe warum Low Responder schlecht auf Hormonpräparate zur Stimulation reagieren sind folgende:

  • Alter: Faktor, der umgekehrt proportional mit der ovariellen Reserve zusammenhängt. Je älter die Patientin, desto weniger Eizellen sind vorhanden und desto schlechter spricht sie auf die Stimulationsbehandlung an.
  • Autoimmunprozess: Vorhandene FSH-Rezeptoren auf Granulosezellen, die durch Antikörper blockiert werden.
  • Reduktion der Eierstockmasse durch Operation oder Endometriose.
  • Alterung des Eierstocks.

Folgen für Low Responder in einem IVF-Zyklus

Das Ziel einer IVF-Behandlung ist es, eine kontrollierte Stimulation der Eierstöcke herbeizuführen, die die Gewinnung einer ausreichenden Anzahl von Eizellen und den Transfer von mindestens einem Embryo ermöglicht. Damit wird beabsichtigt, dass sich - im Gegensatz zum Naturzyklus, in welchem nur eine Eizelle freigesetzt wird - gleichzeitig mehrere Eibläschen entwickeln.

Deshalb kommt es bei Low Respondern zu unerwünschten Konsequenzen, da nur eine geringe Anzahl von Eizellen zur Befruchtung zur Verfügung steht und die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit sinkt. Dies birgt auch das Risiko, dass der Embryotransfer abgebrochen wird.

Hinzu kommt dass die verschlechterte Eizellqualität das Überleben der Embryonen im Labor beeinträchtigt, was die Situation dieser Patientinnen noch verschlimmert.

Lösungen für Low Responder

Glücklicherweise gibt es mehrere Möglichkeiten und Alternativen für Low Responder in der Kinderwunschbehandlung. Jede von ihnen wird im Folgenden besprochen.

Vorbehandlung mit Androgenen.

Nach einem Ovarialstimulationszyklus mit geringem Ansprechen kann eine Vorbehandlung mit Androgenen versucht werden, um eine größere Anzahl von Follikeln bei der Stimulation zu erreichen.

Diese Behandlungen können mit transdermalem Testosteron oder mit DHEA erfolgen, obwohl ihre Wirksamkeit in diesen Fällen nicht bewiesen ist.

Umwandlung eines IVF-Zyklus in einem IUI-Zyklus

Wenn sich im Ultraschall nur 1 oder 2 Follikel entwickeln, kann die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, den IVF-Zyklus in einem Inseminationszyklus umzuwandeln. Dies ist nur möglich, wenn alle anderen Faktoren bewertet werden und sofern kein schwerer männlicher Faktor vorliegt.

Abgeänderte Stimulationsprotokolle

Bei Low-Respondern wird generell eine individuelle Behandlung angeboten, um die größtmögliche Anzahl von Eizellen zu erhalten.

Das kurze Protokoll mit GnRH-Agonisten, bekannt als Flare-up, bietet bessere Ergebnisse bei Low-Respondern, da es die tiefgreifende Unterdrückung der ovariellen Aktivität im langen Protokoll vermeidet und den Flare-up-Effekt ausnutzt.

Der Flare-up-Effekt besteht in der sofortigen Freisetzung von FSH und LH zu Beginn der Behandlung, deren Wirkung sich zu der der exogen verabreichten Hormone addiert. Wir haben GnRH-Agonisten als geeignete Behandlung für Low-Responder erwähnt.

Weitere Informationen zu Indikationen sowie Vor- und Nachteile bekommen Sie über diesen Link: GnRH-Analoga.

Eizellenansammlung mit Kryozyklen

Um eine größere Anzahl von Eizellen im Labor zu erhalten, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, hochwertige Embryonen für den Transfer zu erhalten, werden während mehrerer Zyklen Eizellen gesammelt.

Diese Methode bestehen darin, alle in jedem Zyklus gewonnenen Eizellen zu kryokonservieren, bis eine optimale Anzahl erreicht ist. Im Anschluss werden sie aufgetaut, mit den Eizellen aus der letzten Punktion zusammengeführt und mit einer ICSI befruchtet.

Eizellenspende

Wenn bereits mehrere IVF-Zyklen wegen zu geringem Ansprechen der Eierstöcke abgebrochen wurden, ist die Eizellspende die erfolgreichste Alternative.

Bei der IVF mit Eizellenspende spendet eine junge Frau ihre Eizellen einer anderen Frau und diese werden durch die Spermien des Mannes der Empfängerin befruchtet. Diese Reproduktionsoption bietet hohe Erfolgsraten, aber auch den Nachteil, dass die genetische Belastung der Frau aufgegeben werden muss und hohe Kosten entstehen.

Weiterer Nachteil ist, dass eine Eizellspende in Deutschland nicht möglich ist, weshalb bei Bedarf Patienten ins Ausland reisen müssen.

Da sich Frauen heutzutage immer später dazu entscheiden, Mütter zu werden, ist die Eizellspende in vielen ausländischen Kliniken eine gängige Praxis, da mit fortgeschrittenem Alter der Patientin die Eizellqualität nachlässt. Aus diesem Grund benötigen betroffene Frauen Eizellen von einer jungen Frau, sofern keine Eizellen kryokonserviert wurden.

Weitere Informationen zur Eizellspende bekommen Sie über diesen Link: IVF mit Eizellenspende.

Fragen die Nutzer stellten

Was passiert, wenn mir nicht genügend Eizellen für meine IVF entnommen werden können?

durch Dr. Manuel Aparicio Caballero (gynäkologe).

Um in einem assistierten Reproduktionszyklus mehr als eine Eizelle befruchten zu können, wird der Eierstock der Frau mit Medikamenten stimuliert.

Die Anzahl der benötigten Eizellen hängt von der Behandlung ab. So benötigen wir für eine Insemination 1 oder 2, während wir für eine IVF/ICSI eher etwa 10 brauchen.

In vielen Fällen und aus unterschiedlichen Gründen spricht der Eierstock der Patientin nicht auf die Medikamente an und es können nur wenige Eizellen gewonnen werden (weniger als 5). In diesen Fällen können wir auf mehrere Strategien zurückgreifen:

  • Den Zyklus vor der Punktion abbrechen und eine Stimulation mit einem anderen Stimulationsprotokoll versuchen.
  • Eizellen kryokonservieren um in mehreren Zyklen eine größere Menge anzuhäufen.
  • Embryonen kryokonservieren um im neuen Zyklus 2 übertragen zu können .

Die Entscheidungen werden basierend auf den Merkmalen der Patientin getroffen.

Wie hoch sind meine Chancen als Low Responder schwanger zu werden?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Low Responder sind Frauen, die bereits eine Kinderwunschklinik aufgesucht haben weil sie auf natürlichem Wege nicht schwanger geworden sind. Daher ist die Wahrscheinlichkeit gering und geht wahrscheinlich auf die Abnahme der Eizellreserve und den Alterungsprozess zurück.

Eignet sich Omifin für Low Responder?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Ja, Omifin ist ein Medikament, das aus Clomifencitrat besteht und als unterstützende Behandlung eingesetzt werden kann. Die Vorteile sind wie folgt:

  • Ermöglicht ein moderates Follikelwachstum.
  • Keine Blockade von endogenem FSH und LH.
  • Es sorgt für einen stabilen und progressiven Anstieg des Östradiolspiegels..
  • Die Anzahl der Injektionen beim Patienten ist geringer.
  • Die Kosten sind günstiger.

Eignet sich der Naturzyklus bei Low Respondern?

durch Zaira Salvador (embryologin).

Der Naturzyklus besteht aus der Follikelentwicklung ohne ovarielle Stimulation und Punktion. Es gibt einige Kliniken, die bei Low Respondern auf diese Methode setzen, da zwar nur die Entwicklung eines Follikels im Eierstock erreicht wird, man aber in der Regel einen Embryo von guter Qualität erhält und die Gebärmutterschleimhaut besser vorbereitet wird. Ihr Nachteil ist jedoch, dass durch einen spontanen Eisprung die Wahrscheinlichkeit steigt den Zyklus abbrechen zu müssen.

Kann ich als Low Responder schwanger werden?

durch Marta Barranquero Gómez (embryologin).

Die Antwort ist ja. Wenn bei einer Kinderwunschbehandlung ein schlechtes Ansprechen auf die Hormonmedikation beobachtet wird, kann ein Zykluswechsel von Insemination zu IVF angezeigt sein. Eine andere Alternative wäre, das ovarielle Stimulationsprotokoll abzuändern oder die Eizellen während mehrerer Stimulationszyklen vor der Befruchtung zu sammeln.

Als letzte Option könnte eine Schwangerschaft bei Low-Respondern durch IVF mit Eizellenspende erreicht werden.

Hängt eine niedrige Eizellreserve mit einer niedrigen ovariellen Reaktion zusammen?

durch Marta Barranquero Gómez (embryologin).

Nein. Die ovarielle Reserve bezieht sich auf die Anzahl der verfügbaren Eizellen einer Frau zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben. Wenn eine Frau beispielsweise von maximal 6 Eizellen ausgeht und 4 reife Eizellen in der Punktion gewonnen werden, würde dies als normale Reaktion der Eierstöcke angesehen werden.

Im Gegensatz dazu spricht man von einem geringen Ansprechen der Eierstöcke oder low response, wenn zwar viele Eizellen vorhanden sind, aber nur 3 oder weniger reife Eizellen gewonnen werden.

Für Sie empfohlen

Die Stimulationsbehandlung ist der erste Schritt bei allen IVF-Behandlungen. Wenn Sie mehr zum Ablauf im Detail wissen möchten, klicken Sie hier: Stimulationsbehandlung: Ablauf, Medikamente und Symptome.

Das Gegenteil von Low Respondern ist das Ovarielle Überstimulationssyndrom. Was es mit diesem Syndrom auf sich hat, lesen Sie in diesem Post: Ovarielles Überstimulationssyndrom.

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Literaturverzeichnis

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Autoren und Mitwirkende

Dr. Manuel Aparicio Caballero
Dr. Manuel Aparicio Caballero
Gynäkologe
Bachelor in Medizin an der Universität Murcia, Fachgebiet Geburtshilfe und Gynäkologie sowie Master in Humanreproduktion an der Universität Rey Juan Carlos und am Instituto Valenciano de Infertilidad (IVI). Momentan praktizierender Gynäkologe an der Kinderwunschklinik Clínica Tahe Fertilidad. Mehr über Dr. Manuel Aparicio Caballero
Zulassungsnummer: 303008030
 Marta Barranquero Gómez
Marta Barranquero Gómez
Embryologin
Abschluss in Biochemie und Biomedizin an der Universität Valencia (UV) und spezialisiert auf Assistierte Reproduktion an der Universität Alcalá de Henares (UAH) in Zusammenarbeit mit Ginefiv und in klinischer Genetik an der Universität Alcalá de Henares (UAH). Mehr über Marta Barranquero Gómez
 Zaira Salvador
Zaira Salvador
Embryologin
Abschluss in Biotechnologie an der Polytechnischen Universität Valencia (UPV) und Spezialistin für assistierte Reproduktion mit Masterabschluss in Human Reproduction Biotechnology am Instituto Valenciano de Infertilidad (IVI) und der Universität Valencia. Mehr über Zaira Salvador
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
inviTRA Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die deutsche Ausgabe von inviTRA. Mehr über Romina Packan

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