Physiologische ICSI oder PICSI: Ablauf und Vorteile

durch (gynäkologin), (senior clinical embryologist), (embryologin) Und (invitra staff).
Aktualisiert am 01/07/2020

PICSI ist eine Variante der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion, auch bekannt unter der Abkürzung ICSI. Aus diesem Grund nennt man die PICSI physiologische ICSI.

In der herkömmlichen ICSI wird die Spermienauswahl durch den Embryologen selbst durchgeführt, der die Samenprobe bewertet und ein Spermium mit guter Motilität für die Mikroinjektion auswählt.

Mit der PICSI-Methode erfolgt die Spermienauswahl jedoch weniger subjektiv und ist nicht vom Laborpersonal abhängig. Dies gelingt mithilfe der Verbindung reifer Spermien mit einer hyaluronsäurenähnlichen Substanz.

Was ist eine PICSI?

Die PICSI-Methode, auch als physiologische ICSI bekannt, ist eine Methode zur Spermienauswahl, die auf den Reifegrad derselbigen basiert. Diese Technik erlaubt die Auswahl der Spermatozoen nach ihrer Fähigkeit, sich an ein synthetisches Molekül mit ähnlichen Eigenschaften wie Hyaluronsäure zu binden.

Das Wort PICSI stammt aus dem Englischen und steht für Physiological Intracytoplasmic Sperm Injection.

Im Kopf der reifen Spermien befindet sich ein spezifischer Rezeptor für Hyaluronsäure (HS), die ein wichtiger Bestandteil des Clusters ist, in dem sich die Eizellen befinden. Spermien, die sich an der HS anhaften, haben die Spermatogenese und die Prozesse der Plasmamembran-Umgestaltung, der zytoplasmatischen Extrusion und der Kernreifung abgeschlossen.

Ablauf

Die PICSI ist ein relativ einfacher Vorgang. Der Ablauf ist derselbe wie bei einer ICSI, jedoch findet die Auswahl der männlichen Geschlechtszelle auf andere Weise statt.

Die Entnahme des Ejakulats erfolgt auf die übliche Art und Weise, d.h. durch Masturbation mit einer vorangegangenen Abstinenzzeit von 3-5 Tagen. Im Anschluss wird die Samenprobe im Labor so aufbereitet, dass die beweglichen Spermien von den übrigen Samenbestandteilen und von den unbeweglichen und/oder toten Spermien getrennt werden.

Daraufhin werden die Spermien auf eine Petrischale gelegt. Diese Petrischalle beinhaltet einige Tropfen synthetischen Materials mit hyaluronsäureähnlichen Eigenschaften, welche die Eizellen auf natürliche Weise ummantelt. Spermien mit guter Qualität und Reifegrad bleiben an diesen Tropfen haften und der Embryologe kann diese somit auf einfache Weise zur Mikroinjektion der Eizellen identifizieren.

Wann ist eine PCSI sinnvoll?

Die PICSI ist vor allem bei Patienten mit guter Spermienbeweglichkeit geeignet, die jedoch einen hohen Spermien-DNA-Fragmentierungsgrad aufweisen.

Im nächsten Abschnitt zählen wir die häufigsten Situationen auf, in denen die Spermienauswahl mithilfe einer PICSI durchgeführt wird:

  • Patienten mit beeinträchtigtem Spermien-FISH.
  • Sterilität unbekannter Herkunft.
  • Patientien mit wiederholten Fehlgeburten aufgrund eines männlichen Faktors.
  • Frühere gescheiterte IVF/ICSI-Zyklen.

Es ist zu beachten, dass Samenproben mit sehr geringer Spermienmotilität für die PICSI-Technik nur sehr begrenzt brauchbar sind.

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Die Kombination der PISCI mit anderen Techniken hat bereits zahlreichen Patienten geholfen, die aufgrund verschiedener medizinischer Probleme nicht in der Lage waren, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Zum Glück entwickelt sich die Reproduktionsmedizin stetig weiter und neue Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse sorgen für kontinuierliche Verbesserungen.

Vorteile

Im Gegensatz zur ICSI besteht darin der größte Vorteil der PICSI darin, dass die die Spermienauswahl auf objektive Weise ermöglicht, d.h. unabhängig von der Meinung des Embryologen. Das bedeutet, dass die Spermien individuell ausgewählt werden und geringe Fragmentierungraten aufweisen, wodurch die Möglichkeit genetischer Veränderungen verringert wird. Darüberhinaus führt die Spermmienauswahl zu einer verbesserten Schwangerschaftsstatistik.

Auf der anderen Seite gibt es eine große Anzahl von Studien, die darauf hinweisen, dass die Fehlgeburtenrate dank der PICSI-Technik sinkt. Dieser Rückgang steht jedoch in keinem Zusammenhang mit dem Anstieg der Lebendgeburtenrate (Baby-Take-Home-Rate), da es sich um einen minimalen Rückgang handelt.

Fragen die Nutzer stellten

Welche Vorteile hat die PICSI?

durch Dra. Blanca Paraíso (gynäkologin).

Zu den möglichen Vorteilen einer PICSI könnten wir folgendes aufzählen:

  • Sie ist eine vollständige, präzise und alternative Methode zur Spermienauswahl. Vollständig, weil die für die PICSI zu verwendene Samenprobe bereits mit Techniken wie Swim-up oder Gradient verbessert wurde; präzise, weil die Grundlage der Technik molekulare Komponenten beinhaltet und alternativ, weil sei eine alternative Option zu herkömmlichen Mitteln der Spermienselektion darstellt.
  • Sie wird auch mit einer niedrigeren Fehlgeburtenrate assoziert: Verschiedene Studien zeigen, dass die Verwendung von PICSI die Lebendgeburtenrate (Baby-Take-Home-Rate) im Vergleich zur ICSI nicht ansteigt, die Abortrate in der PICSI-Gruppe jedoch niedriger ist. Warum wird also in den Studien nicht festgestellt, dass die Anwendung von PCSI die Lebendgeburtenrate erhöht, wenn sie Fehlgeburten reduziert? Das liegt daran, dass dieser Rückgang in der Fehlgeburtenrate so gering ist, dass er in Studien keinen Einfluss auf die Lebendgeburtenrate hat.
  • Es handelt sich um eine objektive und einfache Methode, für deren Entwicklung - Im Gegensatz zur ICSI- nicht viel Erfahrung notwendig ist, bei der es eine subjektive Komponente bei der Auswahl des Spermiums zur Mikroinjektion gibt.

Was ist eine PICSI?

durch Rebeca Reus (embryologin).

Die PICSI-Technik bezieht sich auf das, was als (physiologische ICSI ) bekannt ist. Dies ist eine Form der Spermaauswahl vor der Einführung in die Eizelle.

Es basiert auf der Fähigkeit der Spermien, sich an Hyaluronsäure zu binden, eine Substanz, die die Eizellen umhüllt. Dazu wird eine spezielle PICSI-Schale verwendet, in der einige Tropfen einer hyaluronsäureähnlichen Substanz enthalten sind, die die Eier umhüllt. Somit sind die Spermien, die in der Lage sind, sich an Hyaluronat zu binden, von höchster Qualität und Befruchtungspotential.

Was ist der Unterschied zwischen PICSI und ICSI?

durch Marta Barranquero Gómez (embryologin).

Die In-vitro-Fertilisation durch intrazytoplasmatische Spermieninjektion (IVF-ICSI) besteht in der Befruchtung der Eizelle durch Injektion eines einzelnen Spermas in das Zytoplasma einer reifen Eizelle. Die Auswahl des zu injizierenden Spermiums erfolgt durch den Embryologen selbst unter Berücksichtung der Morphologie und Motilität des Spermiums.

Im Gegensatz dazu ermöglicht die PICSI, auch physiologische ICSI genannt, die Auswahl des Spermiums nach ihrer Bindung an ein Hyaluronsäureähnliches Molekül. Daher ist es in diesem Fall nicht der Embryologe selbst, der die Spermien auswählt. Nur reife Spermien, und damit solche mit dem größten Befruchtungspotential, heften sich an dieses Molekül an.

Für Sie empfohlen

Nach Auswahl derjenigen Spermien, die in der Lage sind, an Hyaluronsäure zu binden, wird die Mikroinjektion in der üblichen Weise durchgeführt. Wenn Sie weitere Informationen zu diesem Thema erhalten möchten, empfehlen wir Ihnen, diesen Artikel zu lesen: Was ist eine ICSI?

Die PICSI wird unter anderem auch bei wiederholten Fehlgeburten eingesetzt. Wir laden Sie ein, den folgenden Artikel zu besuchen, wenn Sie mehr darüber lesen möchten: Wiederholte Fehlgeburten: Ursachen, Diagnostik und Behandlung.

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Literaturverzeichnis

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Huszar G, Jakab A, Sakkas D, Ozenci CC, Cayli S, Delpiano E, Ozkavukcu S. Fertility testing and ICSI sperm selection by hyaluronic acid binding: clinical and genetic aspects. Reprod Biomed Online. 2007 May;14(5):650-63. Review.

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Fragen die Nutzer stellten: 'Welche Vorteile hat die PICSI?', 'Was ist eine PICSI?' Und 'Was ist der Unterschied zwischen PICSI und ICSI?'.

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Autoren und Mitwirkende

Dra. Blanca Paraíso
Dra. Blanca Paraíso
Gynäkologin
Medizinstudium und Promotion an der Universität Complutense Madrid (UCM). Diplom in Statistik in den Gesundheitswissenschaften. Facharzt für Gynäkologie und Assistierte Reproduktion. Mehr über Dra. Blanca Paraíso
Zulassungsnummer: 454505579
 José Muñoz Ramírez
José Muñoz Ramírez
Senior Clinical Embryologist
Abschluss in Biologie an der Universität von Malaga. Master-Abschluss in Genetik von der Universität Alcalá und einen Master-Abschluss in assistierter Reproduktion von der Universität Valencia. Arbeitet als klinischer Embryologe in der Klinik Tambre und ist außerdem außerordentlicher Professor an der Universität Murcia. Mehr über José Muñoz Ramírez
Zulassungsnummer: 18454-M
 Rebeca Reus
Rebeca Reus
Embryologin
Abschluss in Humanbiologie (Biomedizin) an der Universitat Pompeu Fabra (UPF), mit Masterabschluss im Labor für klinische Analysen und Masterabschluss in Theoretische Grundlagen und Laborverfahren der assistierten Reproduktion an der Universität Valencia (UV). Mehr über Rebeca Reus
 Romina Packan
Romina Packan
inviTRA Staff
Chefredakteurin und Übersetzerin für die deutsche Ausgabe von inviTRA. Mehr über Romina Packan
Auf deutsch angepasst von:
 Romina Packan
Romina Packan
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